Die Landwirtschaft steht vor der Herausforderung, ihre Treibhausgasemissionen deutlich zu reduzieren. Bis spätestens 2045 soll der Einsatz fossiler Dieselkraftstoffe klimaneutral werden. Während alternative Antriebe wie Elektrifizierung oder Gas im schweren Arbeitseinsatz noch an Grenzen stoßen, rücken flüssige Alternativkraftstoffe wie HVO 100 zunehmend in den Fokus.
HVO, also hydriertes Pflanzenöl, wird aus Abfall- und Reststoffen hergestellt und gilt als besonders klimafreundliche Option. Als sogenannter Drop-in-Kraftstoff kann HVO 100 in vielen bestehenden Maschinen ohne technische Umrüstung eingesetzt werden, sofern eine Freigabe des Herstellers vorliegt. Auch die bestehende Tank- und Logistikinfrastruktur kann weiterhin genutzt werden. Technisch bietet HVO zudem Vorteile wie eine hohe Cetanzahl, die eine effiziente und saubere Verbrennung unterstützt.
Im DLG-Testzentrum wurde HVO 100 unter praxisnahen Bedingungen direkt mit Dieselkraftstoff B7 verglichen. Zum Einsatz kam ein Traktor des Typs Valtra Q 285. Neben einem Zapfwellenleistungsprüfstand wurde auch der DLG PowerMix durchgeführt, der typische Arbeitszyklen aus dem landwirtschaftlichen Alltag simuliert. Dadurch lassen sich nicht nur einzelne Leistungswerte, sondern auch reale Einsatzbedingungen abbilden.
Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Die Leistungsabgabe des Motors bleibt mit HVO 100 im Vergleich zu Diesel praktisch unverändert, auch über unterschiedliche Drehzahlbereiche hinweg. Lediglich beim Kraftstoffverbrauch wurde ein leichter Anstieg festgestellt. Dieser liegt bei etwa drei bis vier Prozent und ist vor allem auf die geringere Dichte von HVO zurückzuführen, wodurch der Energiegehalt pro Liter etwas niedriger ausfällt.
Im praktischen Einsatz kann neben dem Kraftstoff selbst auch dessen Qualität eine wichtige Rolle spielen. Gerade bei paraffinischen Kraftstoffen wie HVO kann der Einsatz geeigneter Additive sinnvoll sein, um Eigenschaften wie Schmierfähigkeit, Lagerstabilität und Systemsauberkeit zu unterstützen. Produkte wie unser ERC Dynamic XTL sind speziell für XtL-Kraftstoffe ausgelegt und können dazu beitragen, Einspritzsysteme sauber zu halten, Verschleiß zu reduzieren und die Betriebssicherheit langfristig zu verbessern.
Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet das insgesamt: HVO 100 ist technisch eine praxistaugliche Alternative zu Diesel, die sich kurzfristig in bestehenden Fuhrparks einsetzen lässt. Entscheidend für den breiteren Einsatz bleiben jedoch wirtschaftliche Faktoren wie Preis, Verfügbarkeit und regionale Lieferstrukturen. Wer den Einsatz von HVO plant, sollte daher neben den technischen Voraussetzungen auch die Kostenentwicklung im Blick behalten, um die CO₂-Reduktion im Betrieb nachhaltig und planbar umzusetzen.